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Lernen und Tanz-und Bewegungstherapie

Auszug aus der Diplomarbeit „bewegtes Lernen – Entwicklung, Bewegung und Lernen im Bezug auf Schule und Tanztherapie“ von Sandra Flükiger

Lernen – was kommt Ihnen bei diesem Begriff als erstes in den Sinn? Erinnerungen an mühsame Stunden, welche Sie als Kind und Jugendlicher damit verbrachten sich den Unterrichtsstoff einzuprägen? Lernen – stillsitzen und zuhören, was der Lehrer erzählt, in dem Wissen, dass man sich das nun alles merken sollte; nur um festzustellen, dass Sie nur die Hälfte behalten hatten? Nicht jeder hat solch negative Erinnerungen zum Begriff Lernen und an seine Schulzeit, doch einigen erging oder ergeht es noch immer so. Doch muss das wirklich sein? Lernen kann auch lustvoll und einfach vor sich gehen. Babys und Kleinkinder lernen automatisch und dies unaufhörlich, denken wir nur an die Bewegungsentwicklung, an den Spracherwerb, an die Spiele, welche immer komplexer werden usw. All dieses Lernen erfolgt automatisch und vor allem ohne Zwang. Kleine Kinder lernen, weil es ihnen Spass macht, sie strengen sich an, sie freuen sich über ihre Erfolge und wissen sehr wohl, wenn sie etwas Neues gelernt haben. Ich erinnere mich als mein Sohn mit 20 Monaten zum ersten Mal ganz alleine versuchte die Leiter zur Rutschbahn hochzukletterten. „Säuber“, „säuber“ sprach er vor sich hin. Es dauerte seine Zeit, doch dann gelang es ihm zum ersten Mal „ganz säuber“ und er war mächtig stolz! Alle mussten nun zuschauen. Also, warum soll Lernen in der Schule plötzlich zu etwas Unangenehmen oder sogar zum grossen Hindernis werden? Wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass Lernen nicht ein solch mühsamer Prozess sein muss, sondern durch den Einbezug von allen Sinnen, durch sinnvolle Lernumgebungen und -strategien und nicht zuletzt verbunden mit Bewegung, auch in der Schule durchaus Spass machen und gelingen kann, so dass sich Lernerfolge auch oder gerade in der Schule einstellen.

Was hat nun Tanz- und Bewegungstherapie (TBT) mit Lernen zu tun? Sehr viel, meine ich, geht es doch bei der TBT um die ganzheitliche Entwicklung des Menschen. Entwicklung bedeutet Lernen, so kann ein Mensch durch TBT sowohl neue Seiten an sich kennen lernen, als auch Veränderungen seines Selbst erfahren. Das ganze Leben ist somit ein Lernprozess, täglich lernen wir Neues, manchmal nur im Kleinen oder unbewusst, manchmal wird uns aber auch ganz deutlich und bewusst, dass wir nun etwas Neues gelernt haben. Dies geschieht in vielen verschiedenen Bereichen. Das kognitive Wissen, wie es die Schule vermitteln soll, ist nur einer davon. Daneben lernen wir noch viel intensiver im zwischenmenschlichen Bereich, beim Umgang mit anderen Menschen, oder auch mit uns selbst.

TBT macht deutlich wie eng Lernen und Bewegung zusammengehören. Lernen in Bewegung ist bewegtes Lernen, geschieht unmittelbar; am eigenen Körper lässt sich intensiv erfahren. Unseren Körper können wir nicht täuschen, auch wenn es unser Verstand vielleicht versucht. Unser Körper lässt sich nichts vormachen und zeigt uns ganz deutlich, wo wir stehen und wohin wir gehen wollen. Sich darauf einlassen, zulassen und so einen Schritt nach dem anderen wagen – dies führt uns zu einem glücklichen Dasein, im Einklang mit Körper, Seele und Geist.

 

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